{"id":40,"date":"2008-07-25T13:46:09","date_gmt":"2008-07-25T11:46:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/?page_id=40"},"modified":"2008-07-25T13:46:09","modified_gmt":"2008-07-25T11:46:09","slug":"leipziger-onlinezeitung-2007","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/information\/presse\/leipziger-onlinezeitung-2007\/","title":{"rendered":"Leipziger Onlinezeitung 2007"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"?page_id=15\">&gt;&gt;zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<h4>Leipziger Online Zeitung<\/h4>\n<p>Kathrin Aehnlichs Romandeb\u00fct: Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re<\/p>\n<p>ver\u00f6ffentlicht von: <em>Ralf Julke<\/em> am Dienstag, 01. Mai 2007<\/p>\n<p>Man kann 49 werden im deutschen B\u00fccherland und trotzdem noch als hochbegabter schriftstellerischer Nachwuchs gelten. Und es hat nichts zu tun mit Flei\u00df oder Talent, sondern mit einem Markt, der kein Ged\u00e4chtnis hat. In dem die Modewellen schneller vor\u00fcberrauschen als Kataloge gedruckt werden k\u00f6nnen. Die Zeit wird zur Digitaluhr. Und wenn &#8222;Nachwuchstalente&#8220; wie Kathrin Aehnlich ein neues Buch ver\u00f6ffentlichen, ist das wie ein verbl\u00fcfftes Erwachen: Es geht auch anders.<\/p>\n<p>Das hat die geb\u00fcrtige Leipzigerin, die heute in Markkleeberg lebt, eigentlich l\u00e4ngst bewiesen. 1998, als ihr Buch &#8222;Wenn ich gro\u00df bin, flieg ich zu den Sternen&#8220; im Gustav Kiepenheuer Verlag erschien. Darin schildert sie eine Kindheit in der DDR der 1960er, 1970er Jahre. Treffsicher, voller Humor. Eigentlich war die Erz\u00e4hlung ihre Abschlussarbeit nach ihrem Studium am Literaturinstitut 1985 bis 1988. Aber wie so vieles geriet es in die M\u00fchlen der Ver\u00e4nderungen, die fast einer kompletten Generation junger Autoren im Osten ihre Chancen auf Ver\u00f6ffentlichungen nahm.<br \/>\nDas \u00e4nderte sich erst Ende der 1990er, als insbesondere lustige, frivole B\u00fccher \u00fcber das &#8222;verr\u00fcckte Leben im Osten&#8220; auf einmal zu Bestsellern wurden, hochgepuscht von einer anschwellenden Ostalgie-Welle, die die verstorbene DDR versuchte zu einem Brause- und Schlagerland zu stilisieren. \u00dcbrigens eine Inkarnation, in der die Verstorbene noch heute durch ein, zwei deutsche Heimatsender geistert. Doch schon Aehnlichs erstes Buch deutete an, dass \u00fcber das vergangene Land fundierter und feinf\u00fchliger geschrieben werden konnte. Ohne ideologische Brille, ohne Vorurteile. Einfach mit dem Nerv f\u00fcr eine erlebte Wirklichkeit, die bei genauem Hinsehen eine durch und durch spie\u00dfige war. Und &#8211; so ehrlich muss man schon sein &#8211; in ihre Spie\u00dfigkeit der west-deutschen Spie\u00dfigkeit in nichts nachstand.<br \/>\nBesonders f\u00fchlbar nat\u00fcrlich aus der Perspektive der Kinder, die aufwuchsen in dieser kleinb\u00fcrgerlichen Republik, das Knausern und Schweigen erlebten, die nicht gelebten Tr\u00e4ume, die Verrenkungen der Erwachsenen. In ihrem Romandeb\u00fct &#8222;Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re&#8220; kn\u00fcpft Katrhin Aehnlich daran an. Und eines sei verraten: Um L\u00f6ffelst\u00f6re geht es nur am Rande. Sie geh\u00f6ren zum schier unersch\u00f6pflichen Leipziger Repertoire, aus dem die Autorin ihre filigranen Geschichten webt um die eigentliche Geschichte herum &#8211; den Tod und die Beerdigung von Paul, der an Krebs stirbt gerade in dem Moment, da sich alles in seinem Leben gef\u00fcgt zu haben schien &#8211; der Wunsch nach eine Familie, der Er\u00f6ffnung eines eigenen Kinos.<br \/>\nAm vorletzten Tag des Jahres stirbt er und der Jahreswechsel wird f\u00fcr seine engsten Freunde zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Aehnlich webt diese Vergangenheit aus lauter kleinen, lebendigen Szenen aus der Kindergartenzeit, Schule, Studium und Herbst 89. Sie tut es wieder mit diesem gemeinen, scharfen Blick auf die &#8222;Sieger der Geschichte&#8220;, die im Alltag nur zu oft kleinliche Versager waren. M\u00e4nner wie Skarlets Vater, der jede Geldausgabe auf Mark und Pfennig in seine Hefte schreibt. Oder M\u00f6chtegern-Akrobaten wie Pauls Vater, die sich einfach verdr\u00fccken.<br \/>\nAehnlich blendet die Szenen ineinander, wechselt immer wieder die Zeitebene und zieht den Leser in den Bann der Bilder, die nur scheinbar unverhofft aufeinander folgen, abtauchen in die Erinnerung und wieder aufblenden in einer Gegenwart, die genausowenig verl\u00e4sslich scheint. Dass Paul seine Beerdigung schon selbst geplant hat und seine Freude animiert, mit Phantasie aus den \u00fcblichen Mustern auszubrechen, gerade das gibt dem Buch eine tragische Note, f\u00fchrt ganz dicht heran an die Begegnung der nun Erwachsenen mit ihren eigenen Hoffnungen, W\u00fcnschen und Sehns\u00fcchten.<br \/>\nEin Buch, das m\u00fchelos geschrieben scheint, hingetupft, wie man sich vorstellt, dass Autoren f\u00fcr Features ihre Texte hintupfen, um Kameraleuten und Regisseuren noch Freiraum zu lassen f\u00fcr ihre Phantasie. Seit 1992 arbeitet Aehnlich in der Feature-Redaktion des MDR-Kulturradios alias Figaro. Sie hat auch H\u00f6rspiele und Kinderb\u00fccher ver\u00f6ffentlicht und deb\u00fctiert mit diesem Roman in einem Genre, das diese Leichtigkeit, diesen stilen Humor gut gebrauchen kann.<\/p>\n<p>Info: Kathrin Aehnlich &#8222;Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re&#8220;, Arche, Z\u00fcrich\/Hamburg 2007, 19 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&gt;&gt;zur\u00fcck Leipziger Online Zeitung Kathrin Aehnlichs Romandeb\u00fct: Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re ver\u00f6ffentlicht von: Ralf Julke am Dienstag, 01. Mai 2007 Man kann 49 werden im deutschen B\u00fccherland und trotzdem noch als hochbegabter schriftstellerischer Nachwuchs gelten. Und es hat nichts zu tun mit Flei\u00df oder Talent, sondern mit einem Markt, der kein Ged\u00e4chtnis hat. 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