{"id":44,"date":"2008-07-25T16:55:19","date_gmt":"2008-07-25T14:55:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/?page_id=44"},"modified":"2008-07-25T16:55:19","modified_gmt":"2008-07-25T14:55:19","slug":"literaturkritikde","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/information\/presse\/literaturkritikde\/","title":{"rendered":"Literaturkritik.de"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"?page_id=43\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">Die Geschichte von Skarlet und Jean-Paul<\/h1>\n<h2 style=\"text-align: left;\">Zu Kathrin Aehnlichs &#8222;Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re&#8220;<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Von Mechthilde Vahsen<\/h3>\n<p>Besprochene B\u00fccher \/ Literaturhinweise<\/p>\n<p>Was sich &#8211; liest man die Vornamen der Protagonisten &#8211; anh\u00f6rt wie eine Mischung aus &#8222;Vom Winde verweht&#8220; und Existenzialismus, beginnt mit der Haut auf einer Tasse Milch.<\/p>\n<p>Jean-Paul Langanke, von der strengen Kinderg\u00e4rtnerin Tante Edeltraut &#8218;Schangpol&#8216; genannt, hilft Skarlet Bucklitzsch in einer ausweglosen Situation im sozialistischen Kinderhort: Er trinkt f\u00fcr sie die Tasse Milch mit der verhassten Haut aus. Diese Rettungsaktion verbindet die beiden f\u00fcrs Leben, begleitet von dem stets n\u00f6rgelnden und mit Nichtbeachtung bestraften Matthias Seibt, der mit ihnen im Kinderhort ist. Eine Dreierkonstellation, die sich durch den ganzen Roman zieht, aber nur zwei Figuren sind wesentlich, denn es geht um ihre alles \u00fcberstehende Freundschaft: Skarlet und Paul.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt wird die Geschichte dieser wunderbar sperrigen und tiefen Freundschaft aus der Sicht von Skarlet. Denn, und damit beginnt das Buch, Paul ist tot. Er stirbt an Krebs, einen Tag vor Silvester &#8211; wir befinden uns in der Zeit nach der Jahrtausendwende. Skarlet soll zu seiner Beerdigung eine Rede halten.<\/p>\n<p>Zwischen Pauls Tod und der Beerdigung begleiten wir sie auf ihrem Weg durch den Silvesterabend, durch einen Zirkus, den Zoo, in dem sie als Pressesprecherin arbeitet, zu Pauls Frau Judith und dem Versuch, den Sarg f\u00fcr Paul mit ihr zusammen zu bemalen. Inmitten dieser \u00e4u\u00dferen Handlung bewegen sich Skarlets R\u00fcckblicke.<\/p>\n<p>Sie sind kein Paar geworden, die beiden &#8222;Zwillinge&#8220;, und auch wenn ihre Wege sich oft trennten, weil sie beide eigenwillige Pers\u00f6nlichkeiten sind, sind sie sich immer wieder sehr nah, zuletzt w\u00e4hrend Pauls Krankheit. Da hat Skarlet ihre Ehe schon hinter sich, w\u00e4hrend Pauls Familie gerade erst gegr\u00fcndet wird.<\/p>\n<p>Ein bewegender Roman, den die Autorin Kathrin Aehnlich geschrieben hat. Sie ist nicht nur Absolventin des Leipziger Literaturinstituts (in den 1980er-Jahren), sondern wie ihre Figuren in der DDR aufgewachsen, die sie kenntnisreich und detailliert beschreibt. Es sind vor allem die Sinne, die angesprochen werden, wenn es um Essen oder Ger\u00fcche geht; Bilder, die wir alle aus unserer Kindheit so oder so \u00e4hnlich kennen. Doch der magische Ort &#8218;Kindheit&#8216; ist hier nicht verkl\u00e4rend besetzt, sondern bedroht von der Kinderg\u00e4rtnerin, dem Lehrer Nottelbeck und den V\u00e4tern, die entweder abwesend sind &#8211; wie bei Paul &#8211; oder zwanghaft und geizig, wie der Vater von Skarlet. Das Buch \u00fcberzeugt, weil die Autorin die Figuren mit Sympathie eigensinnig sein l\u00e4sst, sie respektvoll begleitet, und dies in einem leichten Stil ohne Pathos. Da darf es sogar kitschig zugehen, wenn etwa am Ende Skarlet und Matthias nach der Beerdigung in einer Kneipe sitzen und zwei Tassen lauwarme Milch bestellen. Ein Hohelied auf die Freundschaft, die entgegen der These im Film &#8222;Harry und Sally&#8220; sehr wohl zwischen einer Frau und einem Mann m\u00f6glich ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte von Skarlet und Jean-Paul Zu Kathrin Aehnlichs &#8222;Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re&#8220; Von Mechthilde Vahsen Besprochene B\u00fccher \/ Literaturhinweise Was sich &#8211; liest man die Vornamen der Protagonisten &#8211; anh\u00f6rt wie eine Mischung aus &#8222;Vom Winde verweht&#8220; und Existenzialismus, beginnt mit der Haut auf einer Tasse Milch. 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