{"id":46,"date":"2008-07-25T16:56:32","date_gmt":"2008-07-25T14:56:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/?page_id=46"},"modified":"2008-07-25T16:57:29","modified_gmt":"2008-07-25T14:57:29","slug":"rezension-internet-1","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/information\/presse\/rezension-internet-1\/","title":{"rendered":"Rezension Internet 1"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Alle sterben, auch die   L\u00f6ffelst\u00f6re &#8211; Kathrin Aehnlich<\/strong><\/td>\n<td>\n<p align=\"right\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<hr size=\"1\" \/><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<p>Dieses Buch habe ich allein des Titels wegen gekauft. L\u00f6ffelst\u00f6re!<br \/>\nIch sage es gleich: der Leichtsinn wurde belohnt.<\/p>\n<p><em>\u201eLiebe Skarlet, das ist ein Brief aus dem Jenseits, aber Du bist eine der ganz wenigen, denen ich zutraue, mit der makabren Situation umzugehen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Mit diesen Worten beginnt ein Brief und zugleich ein Roman \u00fcber den Tod eines Freundes, einer Freundschaft und, ganz unaufdringlich, einer Vergangenheit, die sich DDR buchstabierte.<\/p>\n<p>Der Brief stammt von Paul, es sind seine letzten Worte an Skarlet, denn Paul ist gestorben, an Krebs. Skarlet und Paul haben sich schon im Kindergarten kennengelernt. Beide standen immer ein wenig abseits von den anderen, Skarlet verhalten, Paul offen aufs\u00e4ssig. Bald wurden sie nur noch \u201adie Zwillinge&#8216; genannt. Sie stammen aus unterschiedlichen Elternh\u00e4usern. Pauls Mutter war alleinerziehend, Skarlet leidet unter kleinb\u00fcrgerlichem Familienmief, einem bornierten Vater, dessen Geiz in finanziellen wie in Gef\u00fchlsdingen allein beim Lesen wehtut und einer scheuen, nicht durchsetzungsf\u00e4higen Mutter.<\/p>\n<p>Skarlet und Paul waren immer zusammen, wenn auch nie ein Paar. Gemeinsam erlebten sie die Schulzeit, Ausbildung bzw. Studium, die wechselseitigen Liebschaften, die Rebellion gegen den Staat und schlie\u00dflich als aktive Beteiligte den Fall der Mauer.<br \/>\nDanach kam die gemeinsam erlebte Freiheit, die sich fast als Fall ins Nichts erwies. Sie haben es beide geschafft. Paul als Gr\u00fcnder des Kommunalen Kinos, Skarlet als Pressesprecherin im Zoo, dessen Direktor mit Vorliebe L\u00f6ffelst\u00f6re z\u00fcchtet. Sie haben sich eine Menge W\u00fcnsche erf\u00fcllt, Paul war lange in New York, Skarlet in Italien.<\/p>\n<p>Nun sind sie Anfang vierzig, aber die Zwillinge gibt es nicht mehr, Paul ist tot. Skarlet mu\u00df die Beerdigung organisieren und mit den Erinnerungen fertig werden.<br \/>\nR\u00fcckblicke auf die Kindheit und Jugend im Leipzig der DDR wechseln mit R\u00fcckblicken auf die Jahre nach dem Fall der Mauer und der Zeit von Pauls Krankheit. All das ist eingebettet in die Handlung der Jetztzeit, eine knappe Woche der Vorbereitung auf das Begr\u00e4bnis. Die Geschichte spielt am Jahresende, wunderbar passend zum Thema \u201aAnfang &#8211; Ende &#8211; Anfang &#8211; Ende?&#8216;, das das Grundger\u00fcst des Romans bildet.<\/p>\n<p>Es ist ein Buch voller Trauer, mit einer Menge sagenhaft witziger Beobachtungen \u00fcber das Leben. Breiten Raum nehmen die Geschichten aus dem Kindergarten ein und die Szenen aus Skarlets Familienalltag. Es ist schrecklich, komisch, grausig, witzig und wieder schrecklich. Und wieder komisch. Eines ist es nicht, n\u00e4mlich banal. Banalit\u00e4t ist das, was Paul am meisten f\u00fcrchtet.<\/p>\n<p>Alles ist ungemein sorgf\u00e4ltig ineinandergef\u00fcgt. Ich habe schon lange nicht mehr einen so kunstvoll gebauten Roman gelesen. Deswegen wirkt er auch so schwerelos.<br \/>\nEs g\u00e4be ein paar Einw\u00e4nde, so z.B. der Schlu\u00df, aber wenn man n\u00e4her dar\u00fcber nachdenkt, und genau das soll man bei diesem Buch, dann k\u00f6nnte es doch stimmen. Schlie\u00dflich ist die Welt klein. Jedenfalls nicht gr\u00f6\u00dfer als Freundschaft oder Erinnerung.<\/p>\n<p>Sehr sorgf\u00e4ltig wird die Erinnerung an die DDR behandelt, es ist mehr ein Andeuten und Herantasten. Bei aller Kritik, die ge\u00e4u\u00dfert wird, wird hier eine echte Trauer deutlich, \u00fcber eine Vergangenheit, die man verloren hat. Die man nicht bef\u00fcrwortete, die aber, wie sich herausstellt, doch ein Teil der Pers\u00f6nlichkeit ist und immer bleiben wird.<\/p>\n<p>Die Sprache ist vermeintlich einfach, doch schon beim Lesen der ersten Worte entfaltet sie ber\u00fcckende Poesie. Es gibt nicht wenige S\u00e4tze mit b\u00f6sen Widerhaken.<br \/>\nDie Ausstattung pa\u00dft perfekt zum Buch. Da ist nicht nur das ziemlich verr\u00fcckte Titelbild nach einem Aquarell von Max Bartholl (der auch den Arche-Kalender gestaltet), mit dem Titel: Der Parteitag der Fleischtomate, absurd und sinnvoll wie vieles an dem Roman, sondern auch der knallgelbe Einband darunter, der direkten Bezug auf ein wichtiges Handlungselement im Buch nimmt. Alle Achtung vor dieser Zusammenarbeit!<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das Buch mit seinen gerade mal 250 Seiten jetzt schon einer der sch\u00f6nsten Romane des Jahres, auch wenn ich immer noch nicht genau wei\u00df, was L\u00f6ffelst\u00f6re sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re &#8211; Kathrin Aehnlich . Dieses Buch habe ich allein des Titels wegen gekauft. L\u00f6ffelst\u00f6re! Ich sage es gleich: der Leichtsinn wurde belohnt. \u201eLiebe Skarlet, das ist ein Brief aus dem Jenseits, aber Du bist eine der ganz wenigen, denen ich zutraue, mit der makabren Situation umzugehen.&#8220; Mit diesen Worten beginnt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":15,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"zuruck.php","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-46","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/46"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=46"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/46\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/15"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=46"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}