{"id":47,"date":"2008-07-25T16:59:58","date_gmt":"2008-07-25T14:59:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/?page_id=47"},"modified":"2008-07-25T17:01:45","modified_gmt":"2008-07-25T15:01:45","slug":"rezension-internet-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/information\/presse\/rezension-internet-2\/","title":{"rendered":"Rezension Internet 2"},"content":{"rendered":"<h4>Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re<\/h4>\n<p>Als Kind fragt Skarlet ihren Pastor, ob Gott beim Betreten der Wohnung Hausschuhe anziehen m\u00fcsste. Wer f\u00fcr ihn koche und wer die W\u00e4sche wusch? Diese Neugier bringt ihr einen Arztbesuch und ein per Attest verordnetes Religionsverbot ein. Sie bedauert es nicht. Die jungen Pioniere sind interessanter. Diese Auseinandersetzung mit der Autorit\u00e4t ist jedoch symptomatisch f\u00fcr Skarlets Leben in der DDR und sp\u00e4ter in Gesamtdeutschland. Der gerade Weg scheint immer eine Spur zu ausgetreten. Der Trampelweg, akzeptiert, aber mit ein paar absurd erscheinenden Kurven, f\u00fchrt auch ins Ziel. Seite an Seite mit Paul.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-48\" title=\"stoer\" src=\"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-content\/uploads\/2008\/07\/stoer.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"95\" \/><\/p>\n<p>Die unbekannte sterbliche Spezies: Der <em>L\u00f6ffelst\u00f6r<\/em><\/p>\n<p>Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re. Dieser lapidare Kommentar ihres Chefs, des Zoodirektors l\u00e4sst Skarlet erst begreifen, dass Paul weg ist. Die beiden kennen sich seit Fr\u00e4ulein Edeltraud aus dem Kindergarten beide wegen ihrer unsozialistischen Namen (Paul hei\u00dft eigentlich Jean-Paul) und ihres einen Willens drangsaliert hat. Das schwei\u00dft zusammen. Sie k\u00e4mpfen sich durch Schule und Studium. Heiraten (jeweils einen anderen Partner) und bekommen ein Kind. Und nun ist Paul tot und Skarlet soll eine Grabrede halten. Sie beginnt das Leben beider zu rekapitulieren. Diese tausend kleinen Geschichten und Anekdoten, die eine Freundschaft ausmachen. W\u00e4hrend sie mit Pauls Frau den Sarg bemalt, ihren Chef um Urlaub bittet und diverse gemeinsame Bekannte benachrichtigt.<\/p>\n<p>Kathrin Aehnlich ist eines dieser besonderen B\u00fccher gelungen, die es schaffen, die Hektik der Zeit auszuschlie\u00dfen. Sie berichtet von einer Katastrophe, den Verlust des geliebten Freundes. Ihr Humor und der leichte Schreibstil lassen die Kindheit in der DDR wieder auferstehen. Skarlets spie\u00dfige Eltern, in einer ungl\u00fccklichen Ehe gefangen. Pauls Sehnsucht nach dem Vater, der die Familie schon fr\u00fch verlie\u00df. Das Fr\u00e4ulein im Kindergarten, dass bestimmte, das Kinder Zoobesuche toll finden und ihren Teller leer essen m\u00fcssen. Paul und Skarlet erscheinen uns schon nach ein paar Seiten wie liebe Freunde, die wir nur einen Augenblick aus den Augen verloren haben. Wir durchleben die Tragik von Pauls Krankheit und Tod mit einer Tr\u00e4ne im Auge und einem Lachen. Zu komisch sind die gemeinsamen allt\u00e4glichen Erlebnisse. Beil\u00e4ufig, wie im Leben, eingestreut:<\/p>\n<p>Die Affen, die in der Quarant\u00e4nestation des Zoos leben, da den Besuchern eine Gruppe von m\u00e4nnlichen Tieren, die permanent ihren Trieben nachgehen nicht zugemutet werden kann.<\/p>\n<p>Pauls Frau Judith und Skarlet versuchen einen Elefant auf den Sarg zu malen, da er das einzige Tier ist, das Paul gesch\u00e4tzt hat. Immerhin hat ein Elefant sich stellvertretend f\u00fcr ihn an Tante Edeltraud ger\u00e4cht. Es wird ein Engel. Beide sind keine K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Ein wundervolles Buch. Traurig und komisch zu gleich. Unbedingt lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle sterben, auch die L\u00f6ffelst\u00f6re Als Kind fragt Skarlet ihren Pastor, ob Gott beim Betreten der Wohnung Hausschuhe anziehen m\u00fcsste. Wer f\u00fcr ihn koche und wer die W\u00e4sche wusch? Diese Neugier bringt ihr einen Arztbesuch und ein per Attest verordnetes Religionsverbot ein. Sie bedauert es nicht. Die jungen Pioniere sind interessanter. 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