{"id":79,"date":"2008-07-25T19:54:00","date_gmt":"2008-07-25T17:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/?page_id=79"},"modified":"2008-07-25T19:55:06","modified_gmt":"2008-07-25T17:55:06","slug":"eimerdeckel-oder-sensationsfund","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/feature\/eimerdeckel-oder-sensationsfund\/","title":{"rendered":"Eimerdeckel oder Sensationsfund?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">\n<table style=\"text-align: left;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr height=\"30\">\n<td>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"?page_id=17\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><strong>ORIGINALMANUSKRIPT ZUR SENDUNG<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table style=\"text-align: left;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"191\" align=\"right\">\n<tbody>\n<tr>\n<td rowspan=\"2\" width=\"9\"><!--[if gte vml 1]> <![endif]--><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/DOKUME%7E1\/Mantz\/LOKALE%7E1\/Temp\/msohtml1\/06\/clip_image002.gif\" alt=\"\" width=\"7\" height=\"10\" \/><\/td>\n<td width=\"182\"><\/td>\n<td width=\"0\" height=\"18\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"182\"><\/td>\n<td width=\"0\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Das Ganze ist das \u00e4lteste Himmelsbild der Menschheitsgeschichte, das wir kennen, die \u00e4lteste konkrete und doch abstrakte Darstellung des Himmels. Es ist ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Bild von \u00e4sthetischer Qualit\u00e4t, vor allem aber ein Informationstr\u00e4ger f\u00fcr das Denken und die Vorstellung der Fr\u00fchbronzezeit, f\u00fcr die Archoastronomie, f\u00fcr die Religionsgeschichte, die aber auch f\u00fcr die Arch\u00e4ologie wichtige Hinweise liefert. Es handelt sich hier bei der Himmelsscheibe von Nebra um einen der wichtigsten arch\u00e4ologischen Funde, die wir \u00fcberhaupt kennen. Die Himmelsscheibe von Nebra geh\u00f6rt zu den absoluten Toppfunden der Arch\u00e4ologie, vergleichbar sicherlich mit \u00d6tzi, mit Tutanchamun und anderen Dingen in dieser Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Ansage:<\/strong><\/p>\n<p>Eimerdeckel oder Sensationsfund?<\/p>\n<p>Die Himmelsscheibe von Nebra<\/p>\n<p>Von Kathrin Aehnlich und Steffen L\u00fcddemann<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen keine Geheimnisse haben. Wir waren dort gewesen. Und er ist weder bereit gewesen zu sagen, dass er es dort gefunden, noch dass er es nicht dort gefunden hat.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Der macht keine Aussagen gegen\u00fcber der Presse, schon lange nicht. Aber es gibt nat\u00fcrlich ein unterschriebenes Protokoll zu dieser Sache, das mein Justitiar gegengezeichnet hat und da wurden eindeutige Aussagen gemacht. Seit dem Gest\u00e4ndnis haben die Raubgr\u00e4ber weder vor Gericht noch in der \u00d6ffentlichkeit ausgesagt.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Mario Renner:<\/strong><\/p>\n<p>Dann ham wir angefangen zu buddeln mit den Fingern und da ham wir schon gesehen, das ist Bronze. Da war aber schon der Rand besch\u00e4digt. Muss ich dazu sagen, den hat er nicht besch\u00e4digt, der war besch\u00e4digt. Das einzige, was Herr Westfahl gemacht hat, ist, er hat die Sonne runtergekratzt. So dann hab ich ihm meine Selter gegeben, er hat ja viel Brand vom Vortag, hat er sich an&#8217;n baum gesetzt und da hab ich 4 Stunden das ausgebuddelt, die Scheibe.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Wie tief war die?<\/p>\n<p><strong>O-Ton Mario Renner:<\/strong><\/p>\n<p>Die war nicht tief. Unwahrscheinlich eigentlich, muss ich sagen. Unwahrscheinlich eigentlich, wie das Ding dahin kommt, muss ich sagen. Und jedenfalls war das dann so: Wir ham die Scheibe ausgehoben und ham geguckt, is da noch was drinne. F\u00fcr uns war das Loch dann leer.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Mario Renner erz\u00e4hlt uns seine Geschichte, ob sie sich wirklich so zugetragen hat, wissen wir nicht. Mario Renner gilt als einer der Finder der Himmelsscheibe.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Hans-Georg Kroll:<\/strong><\/p>\n<p>Und \u00fcblich ist, den Fundort nie preis zu geben, weil ja der, der den Fund gemacht hat, sich durchaus noch erhoffen kann, in dem Bereich noch mehr zu finden.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Hans-Georg Kroll, Rechtsanwalt aus D\u00fcsseldorf. Er vertritt zwei mutma\u00dfliche Hehler der Himmelsscheibe in einem Berufungsprozess, der zur Zeit am Landgericht Halle stattfindet.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Hans-Georg Kroll:<\/strong><\/p>\n<p>Seine Chancen w\u00fcrden sich stark minimieren, wenn der Fundort bekannt wird in der Szene. Das ist, glaube ich, f\u00fcr die meisten, die suchen gehen mit Metallsuchger\u00e4ten, das wichtigste Motiv, den Fundort nicht bekannt zu geben. So, aller Wahrscheinlichkeit nach, Westphal und Renner, die haben ganz offensichtlich den wirklichen Fundort bis heute nicht preisgegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table style=\"text-align: left;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"191\" align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td rowspan=\"2\" width=\"9\"><!--[if gte vml 1]> <![endif]--><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/DOKUME%7E1\/Mantz\/LOKALE%7E1\/Temp\/msohtml1\/06\/clip_image002.gif\" alt=\"\" width=\"7\" height=\"10\" \/><\/td>\n<td width=\"182\"><\/td>\n<td width=\"0\" height=\"18\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"182\"><\/td>\n<td width=\"0\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Die Himmelsscheibe von Nebra. Eine tellergro\u00dfe Bronzescheibe mit Sonne, Mond und Sternen &#8211; goldenen. Kein Magazin in Deutschland, das das Bild nicht auf der Titelseite hatte. Das japanische Fernsehen berichtete, &#8222;National Geographic&#8220; und auf der Leipziger Buchmesse hatte die Himmelsscheibe einen eigenen Stand. Auf den Autobahnen weist ihr Bild hin zum Landesmuseum f\u00fcr Vorgeschichte in Halle an der Saale.<br \/>\nDie Himmelsscheibe ist eine arch\u00e4ologische Sensation. Denn aufgrund dieses Fundes k\u00f6nnte sich das europ\u00e4ische, ja das altzeitliche Weltbild, so wie es bisher \u00fcberliefert ist, grunds\u00e4tzlich wandeln.<br \/>\nEine gro\u00dfe Verantwortung. Die voraussetzt, dass die Fundgeschichte, die Sicherstellung und wissenschaftliche Pr\u00fcfung der Scheibe widerspruchslos gekl\u00e4rt und abgeschlossen sein m\u00fcssen.<br \/>\nDoch &#8211; ist das alles tats\u00e4chlich bereits geschehen?<\/p>\n<p><strong>Sprecher:<\/strong><\/p>\n<p>Die Fundgeschichte.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Die Untersuchung am Fundort ist abgeschlossen.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Harald Meller. Direktor des Landesmuseums f\u00fcr Vorgeschichte Halle und   Landesarch\u00e4ologe von Sachsen-Anhalt:<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben das Raubgr\u00e4berloch gefunden, wir haben sogar die Hammerspuren gefunden von dem Hammer, der eben die Scheibe besch\u00e4digte, wir haben sogar die Reste der Trinkflaschen gefunden der T\u00e4ter und so weiter, das deckt sich alles exakt mit den Aussagen, also das Netz der Indizien ist hier l\u00fcckenlos gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Ist &#8222;das Netz der Indizien&#8220; wirklich &#8222;l\u00fcckenlos   gekn\u00fcpft&#8220;, wie Dr. Meller behauptet?<\/p>\n<p>Keineswegs, meint der Bronzezeitspezialist Prof. Dr. Peter Schauer von der   Universit\u00e4t Regensburg.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Peter Schauer:<\/strong><\/p>\n<p>Was die Fundgeschichte angeht, so gibt Herr Meller in seinem illustrierten Band &#8222;Der geschmiedete Himmel. Die weite Welt im Herzen Europas vor 3 600 Jahren&#8220;, aus Anlass der Hallenser Ausstellung erschienen, folgende Angabe: An einem sch\u00f6nen Sommertag 1999 seien zwei Metallsucher mit einem Suchger\u00e4t \u00fcber den Mittelberg gegangen, der seit 1986 als Bodendenkmal bekannt war. Sie h\u00e4tten durch Zufall den oberen Rand dieser Himmelsscheibe erkannt, sie mit einem Hammer herausgerissen, f\u00fcr einen alten Eimerdeckel gehalten und die \u00fcbrigen Gegenst\u00e4nde &#8211; die Schwerter mit goldverziertem Griff und die Beile &#8211; komplett ausgehoben. Nur wenige Tage sp\u00e4ter, so Meller, verkauften die Raubgr\u00e4ber den Fund f\u00fcr 31 000 Mark an einen Zwischenh\u00e4ndler aus dem Rheinland &#8211; wohlgemerkt einen verdreckten alten Eimerdeckel und zwei Bronzeschwerter, drei Randleistenbeile und eine Spirale, die f\u00fcr sich genommen im Kunsthandel allenfalls 5.000 Mark erbringen w\u00fcrden. Mit Verlaub gesagt: Das Ganze ist allenfalls eine Legende, aber f\u00fcr einen einigerma\u00dfen realistisch denkenden Menschen v\u00f6llig unglaubw\u00fcrdig. Denn diese auf Schatzsuche gehenden Personen sind im Allgemeinen mit dem \u00dcberpr\u00fcfen ihrer Funde &#8211; vor Ort schon! &#8211; sehr gewissenhaft und genau und dass denen ein wie auch immer verschmutzter goldener Himmel auf einer Bronzescheibe entgangen sein soll, ist mehr als zweifelhaft.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Judith Oexle:<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir zur Fundgeschichte gehen, dann gibt es einfach seit Montelius, dem ber\u00fchmten schwedischen Arch\u00e4ologen, ein Kernst\u00fcck der arch\u00e4ologischen Argumentation, das hei\u00dft: der geschlossene Fund.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Judith Oexle &#8211; Landesarch\u00e4ologin in Sachsen.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Judith Oexle:<\/strong><\/p>\n<p>Ein Grab zum Beispiel ist ein geschlossener Fund. Sie wissen, dass alle Gegenst\u00e4nde, die in einem Grab sich befinden, gleichzeitig deponiert sein m\u00fcssen. Das hei\u00dft zwar noch nicht, dass sie alle gleich alt sind, aber sie sind gleichzeitig deponiert worden, und es geh\u00f6rt zu meiner Wissenschaft &#8211; man kann durch verschiedene Grabanalysen sozusagen Altersspannen identifizieren. In diesem Fall haben wir Beschreibungen, die hei\u00dfen einmal, man habe die Scheibe knapp unter dem Waldboden gefunden und man habe dann beim Weitergraben, nebenbei liegend, Schwerter, Beile und Spiralen geborgen. Das sind nun keine Fundberichte von Arch\u00e4ologen, sondern es sind Sekund\u00e4rquellen, n\u00e4mlich die Formulierungen von Erstgr\u00e4bern und H\u00e4ndlern.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Josef Riederer:<\/strong><\/p>\n<p>Wenn das richtig ist, dass das Leute waren, die das mit Metalldetektoren gefunden haben, dann finden die ja st\u00e4ndig irgendwas. Also ich h\u00e4tte \u00fcberhaupt kein Vertrauen zu einem Fund, der auf derartige Weise zusammenkommt. Also im Hinblick auf die Zusammengeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Ist das sehr h\u00e4ufig, dass solche Funde&#8230;?<\/p>\n<p><strong>O-Ton Josef Riederer:<\/strong><\/p>\n<p>Das ist fast die Regel.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Josef Riederer, Direktor des &#8222;Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin &#8211; Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz&#8220;. Prof. Riederer ist ein international anerkannter Spezialist auf den Gebieten der Materialanalyse und der Echtheitspr\u00fcfung arch\u00e4ologischer Objekte.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Josef Riederer:<\/strong><\/p>\n<p>Wenn sie jetzt einen Fund, Schwert und Beil und allem, haben, dann sagen sie: Das ist das Grab eines gro\u00dfen F\u00fcrsten oder so, w\u00e4hrend sonst ein Einzelobjekt, das ist dann eines von vielen Tausend.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Das Alter der Bronzescheibe wird mit 3.600 Jahren angegeben. Doch dieses Alter l\u00e4sst sich weder durch physikalische noch durch chemische Analysen exakt ermitteln. Wissenschaftliche Untersuchungen an der Bergakademie Freiberg ergaben, dass die Scheibe \u00e4lter als 100 Jahre sein muss.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Josef Riederer:<\/strong><\/p>\n<p>Also zu den Gutachten von naturwissenschaftlicher Seite besteht \u00fcberhaupt keine M\u00f6glichkeit, irgendwas zu dem Alter von dem Objekt zu sagen, mit Ausnahme eben der Aussage, es ist relativ alt, es ist also keine F\u00e4lschung aus dem 20. Jahrhundert und wahrscheinlich auch nicht aus dem 19. Jahrhundert. Das kann man eben ausschlie\u00dfen. Aber wenn&#8217;s eben dann ein arch\u00e4ologischer Bodenfund ist, dann kann man den eben wirklich mit arch\u00e4ologischen Methoden eingrenzen. Mit naturwissenschaftlichen \u00fcberhaupt nicht. Also ich habe keine M\u00f6glichkeit, durch irgendeine Art von Materialanalyse wie bei der Keramik oder beim Holz mit der Radiokarbonmethode ein Alterswert anzugeben. Das geht mit Sicherheit nicht. Es gibt einfach keine M\u00f6glichkeit, da irgendwas dazu zu sagen.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Datieren l\u00e4sst sich die Scheibe nur von Arch\u00e4ologen. Aber diese Datierung ist heikel. Denn auch historisch l\u00e4sst sich die Himmelsscheibe nicht einordnen &#8211; sie ist einzigartig.<\/p>\n<p>Nur die Beifunde, also die Gegenst\u00e4nde, die mit ihr in dem Fundgrab gelegen   haben sollen, erlauben eine genauere Datierung.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Ich komme noch einmal auf die Bedeutung der Funde zur\u00fcck. Es h\u00e4ngt nat\u00fcrlich alles an den Beifunden, an den Schwertern. Ist das nicht heikel?<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Es ist selbstverst\u00e4ndlich sehr heikel, die Scheibe allein k\u00f6nnten Sie nicht datieren, weil sie ein v\u00f6lliges Unikat ist. Und die Niederlegungszeit, nicht die Anfertigungszeit, k\u00f6nnen sie mit den anderen niedergelegten Funden, den Schwertern, den Beilen und dem Mei\u00dfel, feststellen. Und nun ist ganz wichtig zu wissen, ob die Funde wirklich zusammengeh\u00f6ren und nicht etwa von den Raubgr\u00e4bern zusammengestellt worden, was ab und an vorkommt.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Die Schatzsucher sollen ausgesagt haben, dass s\u00e4mtliche Funde aus einem Grab auf dem Mittelberg bei Nebra stammen. Der Wortlaut ihrer Aussagen ist nicht publiziert.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Judith Oexle:<\/strong><\/p>\n<p>Wir brauchen den Grabungsbericht vom Mittelberg. Und jeder Kollege von uns wei\u00df, wie ein Grabungsbericht auszusehen hat. Da ist bitte das Profil, das ist eine genaue Ansprache der Strategrafie, also der Sequenz von Schichten, und dann m\u00f6chten wir bitte gerne wissen, was f\u00fcr Funde aus diesen Schichten kommen, weil sie \u00fcber die Funde den Befund, die Schichten also, datieren k\u00f6nnen. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir ja im Falle dieses Komplexes keine arch\u00e4ologische Auffindungsgeschichte haben, sondern nur eine Auffindungsgeschichte, die sozusagen sekund\u00e4r ist. Wir haben die Gr\u00e4ber, wir haben Verk\u00e4ufer, und an die Stelle des Grabungsberichtes m\u00fcssen die Aussagen dieser Leute treten. Das hei\u00dft, wir m\u00fcssen jetzt darauf warten, dass diese publiziert werden &#8211; und zwar im Originalton! Weil nur das Dritten, also Wissenschaftlern wie mir, die Chance gibt, die Validit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen. Im Augenblick k\u00f6nnen wir Fachkollegen nicht nachvollziehen, sondern sind darauf angewiesen, zu glauben. Wissenschaft hei\u00dft aber Wissen!<\/p>\n<p><strong>Sprecher:<\/strong><\/p>\n<p>Die Sicherstellung der Scheibe.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2001 wird Dr. Meller zum Direktor des Landesmuseums f\u00fcr Vorgeschichte und zum Landesarch\u00e4ologen von Sachsen-Anhalt berufen.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Am 10. Mai 2001 besuchte ich meinen Kollegen in Berlin, der zeigte mir zahlreiche Fotos, schlecht und unscharf, offenbar eines Raubgr\u00e4berfundes. Und auf diesen Fotos waren Schwerter, aber auch die Scheibe zu sehen. Und ich konnte den Fund erst gar nicht glauben, ich hielt das f\u00fcr v\u00f6llig au\u00dferordentlich, man denkt ja hier immer gleich, so&#8217;n Fund kann&#8217;s gar nicht geben bei so&#8217;ner au\u00dferordentlichen Sache. Und der Kollege sagte, aber der Fund sei ihm f\u00fcr 1 Million D-Mark 1999 angeboten worden, er stamme offenbar aus Sachsen-Anhalt. Er gab mir die Fotos mit der Bitte, sie an mich zu nehmen, da der Fund wohl nach Sachsen-Anhalt geh\u00f6re und ich daf\u00fcr verantwortlich sei. Ich machte das auch, ich nahm die Fotos an mich, und mir war klar, wenn der Fund echt ist, dann ist er wirklich ne Weltsensation und von au\u00dferordentlicher Bedeutung. Ich schrieb erstmal ein Gutachten zur m\u00f6glichen Bedeutung des Fundes, \u00fcberzeugte die entsprechenden staatlichen Stellen und wir beschlossen dann, den Fund nicht etwa anzukaufen aus der Raubgr\u00e4berszene, sondern polizeilich zu erwerben.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der Berliner Fotos erkennt Dr. Harald Meller die Bedeutung der Himmelsscheibe, die er &#8222;polizeilich erwerben&#8220; will. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Scheibe im Besitz Reinhold Stiebers. Er ist ein ehemaliger Studienrat und leidenschaftlicher Sammler. Um die Kaufsumme von 230.000 Mark aufzubringen, beleiht er seine Pension. Die Besitzerin des Museumsrestaurant &#8222;Historia&#8220; in Kaarst vermittelt den Kauf. Die beiden wollen sich mit einem Artikel im Magazin &#8222;Focus&#8220; Klarheit \u00fcber das Alter der Scheibe verschaffen.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Frau Burri-Bayer wollte einen Artikel im &#8222;Focus&#8220; publizieren lassen. Das allerdings lief konspirativ. Der &#8222;Focus&#8220;-Journalist nannte uns nat\u00fcrlich nicht den Namen von Burri-Bayer. Sein Fotograf konnte auch nur bei einem Notar fotografieren, das alles lief verdeckt und konspirativ. Der Artikel w\u00e4re erschienen, ohne dass man gewusst h\u00e4tte, wo diese Scheibe ist.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table style=\"text-align: left;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"187\" align=\"right\">\n<tbody>\n<tr>\n<td rowspan=\"2\" width=\"10\"><!--[if gte vml 1]> <![endif]--><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/DOKUME%7E1\/Mantz\/LOKALE%7E1\/Temp\/msohtml1\/06\/clip_image002.gif\" alt=\"\" width=\"7\" height=\"10\" \/><\/td>\n<td width=\"180\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"180\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Ganz so konspirativ scheint es nicht gewesen zu sein, denn Bestandteil des &#8222;Focus&#8220;-Artikels, durch den die \u00d6ffentlichkeit von der Existenz der Scheibe erfahren soll, ist ein Foto Hildegard Burri-Bayers. Mit wei\u00dfen Handschuhen h\u00e4lt sie die Scheibe.<\/p>\n<p>Der Rechtsanwalt Hans-Georg Kroll vertritt den mutma\u00dflichen Hehler Reinhold   Stieber.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Hans-Georg Kroll:<\/strong><\/p>\n<p>Der Herr Dr. Meller bef\u00fcrchtete genau das Gegenteil, der bef\u00fcrchtete n\u00e4mlich, wenn das im &#8222;Focus&#8220; publiziert w\u00fcrde, w\u00fcrden sich erst recht weltweit potente K\u00e4ufer auf den Weg machen zum Finder, um den mit Wahnsinnsangeboten dann den Fund endg\u00fcltig abzuschwatzen. Der bef\u00fcrchtete also genau das Gegenteil von dem, was Frau Burri-Bayer und Herr Stieber eigentlich beabsichtigt hatten und darum hat der auch Kontakt aufgenommen mit dem &#8222;Focus&#8220; und hat versucht, \u00fcber den Redakteur zumindest f\u00fcr ein, zwei Wochen zu verhindern, dass der Artikel publiziert wird.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Besitzer dieser Scheibe gibt ja an und daf\u00fcr will er auch Zeugen haben, dass er diese Scheibe keineswegs verkaufen wollte, sondern dass er die Echtheit dieser Scheibe pr\u00fcfen lassen und stiften wollte, mit der Bitte, diese Scheibe ein, zwei Monate im Jahr in J\u00fcchen in seinem Heimatmuseum auszustellen. Dieser Herr Stieber war, wie er sagt, keineswegs bereit, die Scheibe zu verkaufen.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Diese Ausf\u00fchrungen, die Sie hier machen, wurden ja in Naumburg vom Gericht nicht best\u00e4tigt. Vielmehr ist v\u00f6llig klar geworden, dass es um den Verkauf der Scheibe f\u00fcr 700.000 DM ging. Die anderen Dinge wurden \u00fcberzeugend widerlegt und sind f\u00fcr uns irrelevant und nicht nachvollziehbar.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Tage vor dem Erscheinen des &#8222;Focus&#8220;-Artikels werden die vermeintlichen Hehler in einer gro\u00df angelegten Polizeiaktion im Basler Hilton-Hotel festgenommen und inhaftiert.<br \/>\nDie Scheibe und die anderen Gegenst\u00e4nde werden durch die schweizerische Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft Halle \u00fcbergeben. Nur einige Tage sp\u00e4ter wird das &#8222;Beweisst\u00fcck&#8220; Himmelsscheibe von der Staatsanwaltschaft Halle dem Landesmuseum f\u00fcr Vorgeschichte Halle zur weiteren Pr\u00fcfung \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Achim Stadtm\u00fcller, ein Hehler aus K\u00f6ln, der drei Jahre zuvor den Hortfund von den Schatzsuchern gekauft haben will, zeigt Dr. Meller die Fundstelle auf dem Mittelberg.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Kennen Sie den?<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Den habe ich erst kennen gelernt, der hat mir die Fundstelle gezeigt. Ich kannte den urspr\u00fcnglich nicht, die Staatsanw\u00e4ltin hat mich sozusagen dazu gebeten, als der ein Gest\u00e4ndnis unterschrieb.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Nicht die Grabr\u00e4uber haben Sie dahin gef\u00fchrt?<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Der Hehler. Die Grabr\u00e4uber haben erst sp\u00e4ter eine Aussage gemacht.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Im B\u00fcro ihrer Anw\u00e4lte kommt es zu einem Treffen der beiden Raubgr\u00e4ber Henry   Westfahl und Mario Renner.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Und dort haben sie uns zweifelsfrei die Fundstelle gezeigt und die ist sehr genau fixierbar, weil es in der Umgebung einige Besonderheiten gab, die die Raubgr\u00e4ber genau kannten, so dass es nicht n\u00f6tig war, mit den Raubgr\u00e4bern sozusagen vor Ort zu gehen. Das konnten wir im Anwaltsb\u00fcro erledigen.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Mario Renner:<\/strong><\/p>\n<p>Und da kam Meller mit einer Karte, wo ein riesengro\u00dfes rotes Kreuz drauf war. Ist das die Stelle? &#8211; Hm, ham wir gesagt, das ist die Stelle. Das ist die Stelle, die wir Herrn Achim Stadtm\u00fcller gezeigt haben. &#8211; Lag das alles da drinne? &#8211; Hm, das lag alles da drinne. &#8211; Wie lag das? &#8211; Ich sage: Ein Schwert lag so, das andere Schwert lag so. &#8211; Hm, ist nachvollziehbar, sagt er zu mir. Hm, denk ich, jut. &#8211; Und wo lagen die Beile? &#8211; Ich sag: Die lagen links unten, die Armreifen auf der anderen Seite. Hm, ja, das kann nur so gelegen haben, das leuchtet mir jetzt ein, sagt er zu mir. Ja, somit haben wir dem Herrn Meller eine detaillierte Beschreibung der Fundstelle gegeben. Ja. Ich war nie mit dem Mann auf dem Berg! Ich hab ihm auch nie ein Loch gezeigt. Nie! Alles, was er mir vorgelegt hat, hab ich nur best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><strong>Sprecher:<\/strong><\/p>\n<p>Die wissenschaftlichen Untersuchungen.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Uns reicht das Gest\u00e4ndnis. Es ist aber auch gar nicht relevant, verstehen Sie. Relevant ist, dass wir naturwissenschaftlich nachweisen k\u00f6nnen, aufgrund der Erdanhaftungen, dass die Schwerter, die Himmelsscheibe und die Beifunde zusammengeh\u00f6ren. Und dass das alles auch dort perfekt auf den Mittelberg pa\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Mit den Bodenproben soll die Fundstelle auf dem Mittelberg zweifelsfrei   belegt werden.<\/p>\n<p>Nach dem Gest\u00e4ndnis der Grabr\u00e4uber sind die Bodenanhaftungen an den Funden   f\u00fcr Dr. Meller das st\u00e4rkste Indiz.<\/p>\n<p>Unklar ist aber, wer wo die Bodenproben entnommen hat.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Na, die Anhaftungen an der Scheibe wurden schon im LKA dokumentiert. Ob schon im LKA Proben entnommen wurden, da m\u00fcsste ich nachfragen. Da m\u00fcssen Sie Herrn Wunderlich fragen. Auf alle F\u00e4lle wurde auch in unserer Restaurierungswerkstatt nat\u00fcrlich dokumentiert. Von den Restauratoren und Mitarbeitern.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Auf unsere Anfrage beim LKA Brandenburg am 25. Januar 2005 teilt die Pressesprecherin Frau Kotteweiss mit: Die Proben sind nicht vom LKA Brandenburg entnommen worden.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage beim LKA Sachsen-Anhalt werden wir an die Staatsanwaltschaft Halle verwiesen. Wegen des Berufungsprozesses gegen die mutma\u00dflichen Hehler ist im Moment keine Akteneinsicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autorin:<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe da noch eine Frage zu den Bodenproben. Weil die gestern gesagt haben, in Brandenburg w\u00e4ren 0,13 Gramm analysiert worden. Ist das ausreichend gewesen. Warum hat man einfach nicht mehr hingeschickt.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Christian-Heinrich Wunderlich, Mitarbeiter des Landesmuseums f\u00fcr   Vorgeschichte Halle.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Christian Heinrich Wunderlich:<\/strong><\/p>\n<p>Sehr viel mehr k\u00f6nnen wir auch gar nicht geben. Weil wir haben das so planquadratm\u00e4\u00dfig entnommen von der Scheibe. Und so f\u00fcrchterlich viel, da h\u00e4ngen nat\u00fcrlich nicht kiloweise Erdmaterial dran, so viel isses nicht. Und wir haben Herrn Adam gefragt, ob die Menge ausreicht und der hat das best\u00e4tigt, das ist in Ordnung.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Die Rechtsanw\u00e4ltin Elke Thom-Eben, D\u00fcsseldorf:<\/p>\n<p><strong>O-Ton Elke Thom-Eben:<\/strong><\/p>\n<p>Diese Proben sind von Meller und seinen Leuten genommen worden, die sind nicht von der Staatsanwaltschaft gesichert worden. Es ist keine einzige Probe unter Aufsicht des LKA, wie es sonst \u00fcblich ist, also von Ermittlungsbeh\u00f6rden&#8230; Ne, dieses Museum ist zwar ne Beh\u00f6rde, das ganze da, aber ist keine Ermittlungbeh\u00f6rde&#8230; Das sind selbst genommene Proben! Also so was gibt es nicht noch mal!<\/p>\n<p><strong>O-Ton Hans-Georg Kroll:<\/strong><\/p>\n<p>Man stelle sich vor, in diesem Raum passiert ein Mord und nicht Polizeibeamte sichern hier die Fingerabdr\u00fccke, sondern Sie d\u00fcrfen das beispielweise tun und schicken die entsprechende Probe dann zum LKA hier in D\u00fcsseldorf und sagen, das habe ich am Tatort gefunden und behaupten das und die wird dann vergleichend untersucht und der Fingerabdruck stimmt mit der irgendeiner x-beliebigen Person \u00fcberein und der wird dann unter Mordverdacht festgenommen.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Elke Thom-Eben:<\/strong><\/p>\n<p>Und dummerweise gibt es keine Restspuren mehr. Die sind ja alle entfernt   worden&#8230;<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Zu einem Zeitpunkt, als die Fragen nach der Echtheit und genauen Datierung der Himmelsscheibe noch umstritten sind, nehmen die Mitarbeiter des Landesmuseums f\u00fcr Vorgeschichte die Probe selbst und schicken sie zum LKA Brandenburg &#8211; 0,113 Gramm von der Scheibe und 70 Gramm Vergleichsproben vom vermeintlichen Fundort Mittelberg.<\/p>\n<p>Beim LKA Brandenburg untersucht Dr. J\u00f6rg Adam die Proben. Adam ist forensischer Chemiker. Ein belastbares Pr\u00fcfprotokoll liegt bis zum heutigen Tage nicht vor.<\/p>\n<p>Dr. Wunderlich:<\/p>\n<p><strong>O-Ton Christian Heinrich Wunderlich:<\/strong><\/p>\n<p>Das geh\u00f6rt bei Herrn Dr. Adam zum Grundhandwerkszeug, dass man dann Vergleichproben nimmt, um die Methode zu \u00fcberpr\u00fcfen, funktioniert denn das. Und es ist aber auch so, dass Herr Adam nicht nur einfach blind untersucht. Er ist in der Geologie dann auch sehr bewandert und kann auch erkl\u00e4ren, warum ist genau Mittelberg so zusammengesetzt. Also Verwitterungsprodukt von Buntsandstein, L\u00f6seinwehungen, bestimmte Pollen, alles m\u00f6gliche, was diesen Berg dann unverwechselbar macht. Je mehr sie Parameter Sie finden, die unabh\u00e4ngig von einander sind, dass ist ganz wichtig, umso mehr haben Sie die Wahrscheinlichkeit auf eine Identit\u00e4t. Es w\u00e4re also wie zehn Richtige im Lotto, wenn Sie irgendwo in der N\u00e4he oder gar im Ausland noch einmal den genau gleichen Boden finden.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Der kann jetzt also auch nicht 10 Kilometer weiter auf einem anderen Berg&#8230;?<\/p>\n<p><strong>O-Ton Christian Heinrich Wunderlich:<\/strong><\/p>\n<p>Nein, nein, nein.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Autor:<\/strong><\/p>\n<p>Das w\u00fcrde sich unterscheiden dieser Boden?<\/p>\n<p><strong>O-Ton Christian Heinrich Wunderlich:<\/strong><\/p>\n<p>Das w\u00fcrde sich unterscheiden. Der unterscheidet sich, dass habe ich schon festgestellt, schon auf dem Mittelberg. Dass Sie schon 100 Meter weiter, da haben wir ja auch Vergleichsproben gezogen, dass ist schon anders.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Josef Riederer:<\/strong><\/p>\n<p>Ein Zehntel Gramm ist das dann&#8230; Und die wollten nachweisen, dass die Scheibe von dem&#8230; Also das ist wirklich absolut unm\u00f6glich! Man kann schon sagen, also die Bodenprobe, die auf der Scheibe gefunden worden ist, entspricht dem Boden am Mittelberg. Aber man muss dann auch sagen, die Bodenprobe von der Scheibe und vom Mittelberg ist identisch mit Bodenproben aus Orten, die im Umkreis von 100 Kilometern&#8230; Also der Boden ist ja immer &#8217;ne Folge von geologischem Untergrund, und der ist in der Gegend ja ziemlich einheitlich.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Josef Riederer, Rathgen-Forschungslabor, Berlin.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Josef Riederer:<\/strong><\/p>\n<p>Also er argumentiert so, dass der Boden an &#8217;nem bestimmten Fundpunkt, also am Mittelberg, die Summe von einer gro\u00dfen Zahl von Einzelfaktoren ist. Er erw\u00e4hnt also zum Beispiel die Pollen. Das ist sicher richtig. Nur sagt er eben, der Boden h\u00e4ngt davon ab, welcher Stein verwittert, da nennt er den Buntsandstein, der Buntsandstein ist ja dort gewaltig weit verbreitet. Und die Situation &#8211; verwitterter Buntsandstein, L\u00f6seinwehungen plus die Pollen, die ja von der Vegetation abh\u00e4ngen, die ja dort a immer gleich ist, ob das jetzt Birken oder Kiefern sind, also ich glaub, das ist ein unhaltbares Argument.<\/p>\n<p><strong>Sprecherin:<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Dr. Harald Meller sind alle Fragen, die zum Fundkontext der Himmelsscheibe gestellt werden, abschlie\u00dfend beantwortet. Es g\u00e4be keine offenen Fragen mehr. Alles nur &#8211; ein Medienspektakel.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Harald Meller:<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein mediales Ereignis, weil solche Dinge immer medial wirken und ihre Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten entfalten, aber wie viele medialen Dinge ist es eine vor\u00fcbergehende Sache, die sich, in ihrem Sprachgebrauch, versendet, was bleiben wird, ist der gro\u00dfartige Fund mit einer sch\u00f6nen Publikation und einem spannenden Kongress. Kurz: Der Fund wird bleiben und es wird sein wie bei \u00d6tzi, all diese B\u00fccher, die Behauptungen, die Fernsehsendungen werden vergessen sein. Die Menschen pilgern heute zu \u00d6tzi nach Bozen in das neuerrichtete Museum und sind v\u00f6llig begeistert, und die Menschen werden nach Halle pilgern und v\u00f6llig begeistert von der Scheibe sein.<\/p>\n<p><strong>O-Ton Judith Oexle:<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde einfach darum bitten, wenn wir wissenschaftlich vorankommen wollen, dass endlich die Unterlagen, die eine \u00dcberpr\u00fcfung erm\u00f6glichen &#8211; also die materialkundlichen Analysen, die bodenkundlichen Analysen, die Berichte von Findern und Verk\u00e4ufern -, publiziert werden. Zug\u00e4nglichkeit der Fakten ist die Voraussetzung f\u00fcr wissenschaftlichen Diskurs. Arch\u00e4ologie ist keine Abenteuerwissenschaft! Arch\u00e4ologie hat was mit Disziplin, mit genauem Hingucken k\u00f6nnen und mit einem ger\u00fcttelt Ma\u00df an kritischer Wertung dessen zu tun, was man glaubt zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Absage:<\/strong><\/p>\n<p>Eimerdeckel oder Sensationsfund?<\/p>\n<p>Die Himmelsscheibe von Nebra<\/p>\n<p>Von Kathrin Aehnlich und Steffen L\u00fcddemann<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table style=\"text-align: left;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ORIGINALMANUSKRIPT ZUR SENDUNG O-Ton Harald Meller: Das Ganze ist das \u00e4lteste Himmelsbild der Menschheitsgeschichte, das wir kennen, die \u00e4lteste konkrete und doch abstrakte Darstellung des Himmels. Es ist ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Bild von \u00e4sthetischer Qualit\u00e4t, vor allem aber ein Informationstr\u00e4ger f\u00fcr das Denken und die Vorstellung der Fr\u00fchbronzezeit, f\u00fcr die Archoastronomie, f\u00fcr die Religionsgeschichte, die aber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":8,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"zuruckallgemein.php","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-79","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/79"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/79\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/8"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kathrinaehnlich.com\/kat\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}